17.01.2025
Nutztierhaltung und Klima - passt das?
Vortrag der VR-Bank mit Professor Dr. Dr. Wilhelm Windisch
Erfolgreich setzte die VR-Bank Isar-Vils ihre Holzhausener Vortragsreihe für Landwirte am Donnerstagabend fort. Im Augustinersaal des Trachtenkulturzentrums war beinahe kein Stuhl mehr frei. Die Thematik, ob Nutztiere ein Fluch oder ein Segen für die Umwelt und das Klima seien, hat viele Landwirte mobilisiert.
Zugleich eilte auch dem Referenten ein guter Ruf voraus: Professor Dr. Dr. Wilhelm Windisch ist ein bekannter Fachmann an der Technischen Universität München im Bereich der Tierernährung. Und er hatte seine Zuhörer nicht enttäuscht: Frei in der Rede und engagiert referierte der Gast lebhaft. Im Gegensatz zu mancher einseitiger Publikation von Parteien und Verbänden machte Windisch deutlich, dass die in Deutschland gepflegte Tierhaltung fortgesetzt werden solle. Ganz so einfach machte er es den Landwirten dennoch nicht: Der Referent verlangte nämlich ein Umdenken in der Spitzenleistung bei der Milch- und Fleischproduktion und er warb dafür, gegenüber wissenschaftlichen Neuerungen offen eingestellt zu sein.
Windisch stellte fest, die Nutztierhaltung stehe unter Druck und die Gesellschaft könne auf zweierlei Art reagieren: Man könne die Tierhaltung massiv reduzieren oder aber nur das Schlechte vermeiden. Es sei verraten, dass Windisch den zweiten Aspekt bevorzugte. Er machte deutlich, dass die pflanzliche Biomasse weltweit begrenzt sei und andererseits alle Lebewesen damit gefüttert werden müssten. Den Überschuss habe man durch die Abholzung von Urwald erreicht. Weil aber gleichzeitig die Bevölkerung wächst und der Klimawandel zur Vergrößerung von Wüsten führt, würden die Nutzflächen knapper werden. Daher plädierte der Referent für eine intelligente Nutzung der Biomasse und schlug vor, folgende Reihenfolge einzuhalten: „Teller, Trog, Tank.“ Am Beispiel von Weizenmehl machte er deutlich, wie viel nicht-essbare Biomasse als Rückstand verbleibt, ebenso bei Soja, Zucker und Rapsöl.
Außerdem untersuchte er das Grünland weltweit, das nicht „ackerfähig“ ist. Dieses Grasland erzeuge nicht-essbare Biomasse und sei als Weide für Pflanzenfresser ideal geeignet. So entstünde hohe Biodiversität. Außerdem erzeuge die Landwirtschaft unvermeidlich große Mengen an dieser nicht-essbaren Biomasse. Man könne diese nun verrotten lassen mit nur geringer Düngerwirkung oder sie zu Biogas umformen und die Reste als Dünger ausbringen oder aber als Tierfutter verwenden und den Mist mit Düngerwirkung verwenden.
Lokales Problem mit Methangas überschätzt
Windisch fragte sich noch, ob die Kuh wegen des Methangases ein Klima-Killer sei und gab sich selbst die Antwort: Das lokale Methangas-Problem werde weit überschätzt. Die Problemzonen durch Wiederkäuer lägen in Südasien und in Südamerika. Deutschland dagegen habe weniger Rinder als noch im Jahr 1800. So kam der Referent zu seiner Schlussfolgerung: Man müsse bei der Nutztierhaltung das Schlechte vermeiden und das Gute fördern. Der Verzicht auf Nutztiere reduziere den Ertrag an Nahrung aus derselben Fläche, jedoch würden die Emissionen unverändert bleiben. Windisch verglich den ökologischen Fußabdruck bei der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern und kam zu der Aussage, erst die Höchstleistung – erreicht über Kraftfutter – würde zu beträchtlichem Fußabdruck führen. Einschränkend meinte er, er sehe im Kraftfutter so lange kein Problem, wie es aus nicht-essbarer Biomasse besteht. Eine lebhafte Diskussion um das Für und Wider der Nutztierhaltung schloss sich an.
Zu Beginn hatte der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, Ludwig Frischmann, die zahlreichen Besucher begrüßt und einige Ehrengäste aus Politik und Bauernverband hervorgehoben. Er sprach angesichts der globalen Klimakrise von „herausfordernden Zeiten und steigenden Anforderungen“. Ein Hoch sprach er allen Frauen in der Landwirtschaft aus, ohne die viele Höfe nicht funktionieren würden.
Von Peter Köppen, Vilsbiburger Zeitung