Wie ernährt man die Bürger in Megacities?

Vortrag von Otto Körner über „Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2050“

Vilsbiburg. „Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2050 – Trends und Entwicklungen“ war der Vortrag überschrieben, den Otto Körner vor kurzem bei einer Kundenveranstaltung der VR-Bank Isar-Vils hielt. Ganz ruhig und nüchtern analysierte der Direktor der  landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf die Entwicklung der weltweit zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Nahrungsmittelherstellung. Daraus ableitend führte er in dem nachdenklich machenden Vortrag deutlich vor Augen, dass zum Beispiel die Frage Bio- oder konventionelle Landwirtschaft in der globalen Perspektive eher ein Randaspekt ist.

Der Augustinersaal im Trachtenkulturzentrum Holzhausen war gut gefüllt, als Körner seinen Vortrag mit kaum fassbaren Zahlen eröffnete: Etwa 80 Prozent der Menschen werden 2050 voraussichtlich in Städten wohnen, „und es wird die wichtigste Aufgabe sein, solche Zentren mit Nahrungsmitteln zu versorgen.“ Bereits heute lebt rund eine Milliarde der insgesamt 7,5 Milliarden Menschen in einer der 50 Megacities, deren größte die Metropolregion Tokio mit 55 Millionen Einwohnern ist.

Doch die Weltbevölkerung wächst jährlich um etwa 80 Millionen Menschen – so viele, wie heute in Deutschland leben. Das bedeutet, dass im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen die Erde bevölkern.


„Reicht eine Erde, um so viele Menschen zu ernähren?“ fragte Körner. Denn global  betrachtet steht in 30 Jahren nicht mehr Ackerland zur Verfügung wie heute. Zwar werden in Südamerika und Asien bis dahin wohl noch weitere 40 bis 50 Millionen Hektar Regenwald gerodet, gleichzeitig verliert die Landwirtschaft aber Flächen: Bis zu 20 Millionen Hektar Ackerland werden sich durch Überweidung und überzogene Bewirtschaftung in Wüsten verwandeln, ein weiterer Teil wird zu Bauland. Allein in China wurde in den vergangenen zehn Jahren eine Fläche von der Größe der Bundesrepublik mit Straßen und Gebäuden überbaut.

Nachwachsende Rohstoffe als Konkurrenz

Nicht vergessen werden darf auch, dass 15 Prozent der Ackerfläche verwendet werden, um Zuckerrohr und Mais anzubauen, aus denen Ethanol als Erdöl-Ersatz hergestellt wird. Und so kommt es, dass 1950 noch 0,5 Hektar landwirtschaftliche Fläche je Erdenbürger zur Verfügung standen, heute sind es noch etwa 0,2 Hektar. Für die Landwirtschaft bedeutet dies, so Körner, dass sie bei gleichbleibenden Verzehrgewohnheiten bis 2050 die heutige Ertragsleistung nahezu verdoppeln muss. Hinzu komme, dass der Fleischverbrauch in den heutigen Schwellenländern noch deutlich steigen wird.

In diesem Zusammenhang ging der Referent auch kurz darauf ein, dass sich die Nachfrage nach Fisch von 2 Kilogramm je Mensch im Jahr 1945 auf heute 17 Kilogramm gestiegen sei. Die Folge: 30 Prozent der Weltmeere seien bereits absolut überfischt, weitere 60 Prozent stünden kurz davor. Und in den Aquafarmen benötige man 1,2 Kilogramm Futter, um ein Kilo Fisch zu erzeugen. Auch dafür werden Anbauflächen benötigt.

Land-Grabbing

Die Folge: Land-Grabbing. Länder wie China erwerben oder pachten auf der ganzen Welt im großen Stil Ackerland. Auch hierzulande verteuern die „Strombauern“ die Pachten, so dass Nahrungsmittel erzeugende Landwirte den Mehrertrag der vergangenen Jahre für höhere Grundstückspreise und moderne Technik aufwenden mussten.

Ohne Pachtpreisbremse, so Körner, werden die höheren Erträge wohl nie beim Produzenten, sondern immer beim Grundbesitzer landen. In Bezug auf die Bio-Betriebe sagte er, dass diese aktuell ihre Berechtigung hätten. Derzeit reiche die landwirtschaftliche Fläche in Deutschland exakt aus, um die Bevölkerung zu ernähren. Würde man den Anteil an Bio-Herstellung aber ausweiten, benötigt man aufgrund des geringeren Ertrags mehr Anbaufläche; bei 100 Prozent Bio- Landwirtschaft wären das 30 Prozent mehr Anbaufläche.


Der Referent warnte auch davor, die Tierhaltung grundsätzlich schlechtzureden. Allein Wiederkäuer könnten aus Zellstoff Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate herstellen. Ohne sie wäre die Bewirtschaftung der weltweit 3,5 Milliarden Hektar Grünland – „der größte Solarkollektor der Welt“ – nicht vorstellbar.

In seinem Ausblick machte der Agrarexperte deutlich, dass in der Zukunft eine Verknappung der Lebensmittel kaum zu vermeiden sein wird und Lebensmittel in der Folge im Preis steigen werden.

Gleichzeitig würden weitere technische Innovationen in den Betrieben Einzug halten. So wie es vor 50 Jahren unvorstellbar gewesen sei, dass eine Kuh mehrmals am Tag selbstständig zum Melkroboter geht, würde in Zukunft die Bewässerung intelligent erfolgen oder Roboter könnten Unkraut jäten und so 95 Prozent Unkrautvernichtungsmittel einsparen. Außerhalb von Europa wird der Ertrag auch mit Hilfe von Gentechnik gesteigert.

Verschwendung eindämmen

Eine Herausforderung der Zukunft sei es auch, die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen, sagte Körner. In den reichen Ländern werden 100 Kilo Lebensmittel pro Kopf und Jahr weggeworfen, in den Schwellenländern bleiben nahezu die Hälfte der Lebensmittel auf dem Weg vom Acker zum Teller auf der Strecke. Falsche Lagerung und Verluste bei der Verarbeitung seien hier Ursachen.


Zuletzt ging der Referent auf die Imagekrise der Landwirtschaft ein. Er führte sie unter anderem daraufzurück, dass sich die öffentliche Wahrnehmung etwa durch unechte Lebensmittelwerbung („Kühe lieben offenbar Sonnenuntergänge“) oder idealisierte Bilderbücher von der Realität der heutigen Hightech- Landwirtschaft weit entfernt habe. Trotzdem werde der Verbraucher in Zukunft stärker mitreden. Dafür müsse er auch bereit sein, den entstehenden Mehraufwand zu hono- Kühe in einem vollautomatischen Melkkarussell.  

(Vilsbiburger Zeiung, 08.03.2019 von Georg Soller)

v.l. Vorstand Josef Müller, Firmenkundenberater Robert Dachs, Referent Otto Körner, Firmenkundenberater Manfred Giglberger und Vorstand Anton Schaumeier